Digitale Gewalt ist Realität im Alltag vieler junger Menschen. Laut aktuellen Studien wird fast jede fünfte Schülerin bzw. jeder fünfte Schüler Opfer von Cybermobbing – deutschlandweit sind mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche betroffen. Um Internetkompetenz zu fördern und dem Mobbing im Netz entgegenzuwirken, erweitert die Gemeinde Rastede ihr kommunales Präventionskonzept nun um das Programm „Medienhelden“. Gefördert wird sie dabei vom Landespräventionsrat Niedersachsen.
Die Gemeinde Rastede arbeitet seit 2019 mit der Planungsmethode „Communities That Care“ (CTC) und entwickelte 2020 ein kommunales Gesamtkonzept, das ausschließlich auf evaluierte Programme der so genannten „Grünen Liste Prävention“ setzt. Zur Stärkung sozialer Kompetenzen wurden bereits sehr erfolgreich die Präventionsprogramme „Balu und Du“ sowie „KlasseKinderSpiel“ etabliert. Mit „Medienhelden“ wird dieses Konzept nun gezielt um den Bereich der digitalen Gewaltprävention erweitert.
„Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu befähigen, gewaltfreies Verhalten im digitalen Raum zu entwickeln, Empathie zu stärken und die Konsequenzen ihres Handelns zu verstehen – ohne dabei zu stigmatisieren“, erklärt Anke Wilken, CTC-Leiterin und Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Rastede. „Dass wir dieses Ziel erreichen können, verdanken wir vor allem dem großen Engagement der Lehrkräfte, der Schulsozialarbeit und der pädagogischen Fachkräfte, die mit viel Energie, Fachwissen und Herzblut in die Umsetzung gehen“, so Wilken weiter. Ohne diese starke Kooperation wäre erfolgreiche Präventionsarbeit nicht möglich.
Derzeit nehmen Lehrkräfte der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede und der Schule am Voßbarg, Fachkräfte der Schulsozialarbeit sowie Mitarbeitende der Jugendpflege an drei interdisziplinären Fortbildungen teil, um zu Multiplikator*innen des Programms qualifiziert zu werden. Ein erster Programmdurchlauf ist im aktuellen Schuljahr mit dem 6. Jahrgang der KGS vorgesehen.
Entwickelt wurde das Programm „Medienhelden“ von der Freien Universität (FU) Berlin. Es wurde wissenschaftlich erprobt und hat nachweislich positive Wirkungen. Indem es die Internetkompetenz fördert, wird Cyber-Mobbing vorgebeugt. Kinder und Jugendliche werden dafür sensibilisiert, welche schwerwiegenden Auswirkungen ein beleidigender Post oder ein peinliches Foto in den sozialen Medien für Betroffene haben können – und welche rechtlichen Folgen für Täterinnen und Täter. Damit setzt das Programm genau dort an, wo Kinder und Jugendliche Unterstützung brauchen.
Darüber hinaus wird ein Fachkreis von Multiplikator*innen etabliert, um den Wissenstransfer langfristig zu sichern. Schulen, die über mindestens drei Jahre hinweg mit dem Programm arbeiten, können die Auszeichnung „Medienhelden-Schule“ erlangen und interne Fortbildungen eigenständig fortführen. Begleitet wird das Programm durch die FU Berlin, die Fortbildungen, Qualitätssicherung und Zertifizierungen übernimmt.
„Medienhelden“ sei ein wichtiger Baustein zur Förderung eines respektvollen und sicheren Miteinanders im digitalen Raum, betont Wilken. Besonders beeindruckend sei die Bereitschaft aller Beteiligten, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen: „Diese starke Zusammenarbeit zwischen Schule, offener Kinder- und Jugendarbeit und Wissenschaft schafft die Grundlage für nachhaltige Prävention – zum Schutz und zur Stärkung unserer Kinder und Jugendlichen“, so Wilken abschließend.