Palais Rastede

Die Ursprünge des Palais liegen in einem Landhaus, das nach 1788 für Detlef Hans Graf von Schmettau umgebaut wurde. Herzog Peter Friedrich Ludwig erwarb das Gebäude 1822, um es zu einem Erbprinzenpalais herzurichten.

Eingebettet in einer kleinen Parkanlage im Stil des englischen Landschaftsgartens liegt das Palais gegenüber dem Schloss Rastede. Das Ensemble, zu dem einige Nebengebäude und der umliegende Palaisgarten zählen, gehört zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern des Oldenburger Landes und ist insoweit auch eines der repräsentativsten Bauwerke im Landkreis Ammerland.

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ach dem Zweiten Weltkrieg wurden in dem Palais zunächst kanadische Soldaten und dann Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten untergebracht. Später wurden Haupt- und Nebengebäude vermietet. Seit den 1970er-Jahren pachtete die Gemeinde Rastede das Palais und im weiteren Verlauf immer weitere Teile des umliegenden Geländes.

Das Gebäude aus Sicht der Architekturgeschichte

Das ursprünglich klassizistische Palais wurde 1882/1883 noch einmal im historistischen Stil umgebaut und der vormals giebelbekrönte Mittelrisalit erhielt eine Gratkuppel. Das eingeschossige Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoss und Zwerchhäusern erhebt sich über einem rustizierten Sockel. Zwei angedeutete Eckrisalite mit seitlicher Quaderung und darüber liegendem Doppelzwerchhaus im Dachgeschoß gliedern die Vorder- und Rückseite. Vor der Vorderseite führt eine Freitreppe in einem eingezogenen ionischen Portikus.

(Quelle. Baudenkmäler im Oldenburger Land, hg. von der Oldenburgischen Landschaft, Oldenburg 2017, S. 86)

Das Palais heute

Schon bevor das Palais mit seinen Nebengebäuden und dem umliegenden Garten 2018 in ihren Besitz überging, hatte die Gemeinde Rastede das Ensemble seit 1971 Schritt für Schritt angepachtet, um es im Laufe 1980er-Jahre zu restaurieren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im „Goldenen Salon“ des Palais werden standesamtliche Trauungen durchgeführt, in einem Nebengebäude ist das Gemeindearchiv untergebracht und das historische Gebäude selbst dient seit langem als Austragungsort für verschiedene kulturelle Veranstaltungen.
Seit 1999 gestaltet der Kunst- und Kulturkreis Rastede (KKR) das im Palais präsentierte Programm, bestehend aus wechselnden Ausstellungen, Theateraufführungen, Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Kursen und Workshops. Außerdem dient das Palais seit mehr als 25 Jahren dem Zimmertheater "Orlando" als Bühne für ihre jährlich wechselnden Produktionen.
Die weitere Instandsetzung des Ensembles und seine nachhaltige Etablierung als kultureller und touristischer Ankerpunkt sind Ziele, die eng mit dem Erwerb der Immobilie verknüpft waren. Bis 2022 ist eine Sanierung und Umgestaltung geplant, die mit 1,44 Millionen Euro vom Bund gefördert wird.

Grundriss Palais Rastede

 

Im Plan eingezeichnete Räume:

  1. Entrée  (Eingangsbereich)
  2. Salon (heutiges Trauzimmer)
  3. Zimmer
  4. Boudoir (Ankleidezimmer)
  5. Gartenzimmer
  6. Speisesaal
  7. Garderobe
  8. Herrenzimmer

Zeittafel

Nach 1776 Reisemarschall Graf Hans Detlef von Schmettau erwirbt das Grundstück
1777 Erbprinz Peter Friedrich Ludwig kauft das Landhaus und zieht
1781 nach Rastede, baut das klassizistische Schloß Rastede. Carl Ferdinand Bosse beginnt die Anlage des englischen Landschaftsgartens
1785 Großherzog Peter Friedrich Ludwig wird Regent
1788 Reisemarschall Graf von Schmettau äußert seinen Wunsch, ein Landhaus zu erbauen
1794 Carl Ferdinand Bosse in Rastede verstorben
1794 Christian Ludwig Bosse kommt nach Rastede, Gutsbesitzer Friedrich Burchard Büsing erwirbt Schmettaus Landhaus
1816 Friedrich Grote wird Gärtner in Rastede
02.04.1822 Herzog Peter Friedrich Ludwig erwirbt das Landhaus von Gutsbesitzer Friedrich Burchard Büsing
Vor 1822 Mentz zeichnet einen Gartenplan und vom Palaisgarten
Nach 1822 Erster Umbau zum Erbprinzenpalais
1829 Großherzog Paul Friedrich August übernimmt die Regierung
1830 H. Strack zeichnet den Palaisgrundriss mit nördlichem Flügel
1832 Christian Ludwig Bosse gestorben
1834 H. Strack zeichnet den Palaisgrundriss mit südlichem Flügel
1835 Hofgärtner Grote kehrt nach 28 Wochen Arbeit im Garten zu Jever nach Rastede zurück
1836 Eingang zum Palaisgarten, gezeichnet von Haller 1836
1841 Vom Gastwirt Koopmann werden vier Scheffel Saat zur Arrondierung des Erbprinzengartens angekauft
Dez. 1841 Kunstgärtner Georg Gerhard Frerichs wird Gärtner in Rastede
März 1842 Zeichnung einer Pergola (Laube) am ehemaligen Hofdamenhaus
Mai 1842 Hofgärtner Grote verlässt seinen Dienst
Jan. 1842 Gärtner Frerichs wird zum Hofgärtner ernannt
01.07.1849 Cassebohm wird Gärtner in Rastede
1853 Großherzog Nicolaus Friedrich Peter wird Regent
1854 Hofgärtner Frerichs gestorben
01.01.1855 Gärtner Cassebohm wird Hofgärtner in Rastede
März 1858 H. Strack zeichnet einen Wegeplan zum Palaisgarten
01.05.1858 Erweiterung des Palaisgartens durch den Erwerb des Grundstücks Steinfeld
Nach 1855 Erwerb des Grundstücks Willer
1862 Zwei (kolorierte) Pläne gezeichnet von Georg Lehmann
1862 Begradigung Feldbreite und Schloßstrasse
18.12.1862 Kostenanschlag zur Ausführung des Nordteils des Palaisgartens
1863 Wege, Bäume und Sträucher auf dem ehemaligen Willerschen Grundstück in einem ergänzenden Kostenanschlag aufgeführt
1865 Hofgärtner Cassebohm fährt ins Ausland
1867 Anlage des Küchengartens südlich des Palais
1867 Hofgärtner Cassebohm fährt zur Pariser Weltausstellung
März 1868 Carl-Heinrich Geiler verkauft sein Wohnhaus und dreieinhalb Scheffel Saat an Großherzog Nicolaus Friedrich Peter (ca. 6000 Taler Gold). Einen weiteren Teil (eine Quadratrute) zur Begradigung der Grundstücksgrenze (ca. 1000 Taler Gold)
1869 Brücken im ehemaligen Kucksgarten
1870 Hofgärtner Cassebohm zum Garteninspektor ernannt
1872 Rasenflächenerneuerung im Palaisgarten
1872 Cassebohm zeichnet Plan der herzoglichen Anlagen in Rastede
1873 Hofgärtner Cassebohm fährt nach Wien zur Gartenbauausstellung
Aug. 1875 Hofgärtner Cassebohm fährt nach Kopenhagen zur Gartenbauausstellung
30.08.1876 Hofgärtner Cassebohm fährt nach Brüssel zur Jubiläumsgartenbauausstellung (100 Jahre)
13.09.1876 Hofgärtner Cassebohm fährt nach Erfurt zur Gartenbauausstellung
17.04.1877 Hofgärtner Cassebohm fährt nach Amsterdam zur Blumenausstellung
1882/83 Zweiter Umbau des ehemaligen Landhauses von Schmettau im Stil des Historismus (Hofmeister Schnittger, zweistöckig)
1883 Abbruch des Geilerschen Gasthauses und des ehemaligen Steinfeldschen Hauses
1883 Anlage des Canna-Beetes vor dem östlichen Mittelteil des Palais und befohlene Anpflanzung von Wein an den Flügeln der Ostseite
04.06.1887 Garteninspektor Cassebohm verstorben
Juli 1887 Verbesserungen im Palaisgarten durch C. Widmaier ausgeführt (Gartengehilfe von Cassebohm)
15.10.1887 Habekost wird Hofgärtner in Rastede
1890 Hofgärtner Habekost fährt zur Gartenbauausstellung nach Berlin
1895 Foto der Gartenseite des Palais mit immergrüner Bepflanzung der Ostseite
1900 Großherzog Friedrich August wird Regent
Nov. 1902 Palaisgarten an der Schloßstrasse mit 138 Metern Eisenzaun ersetzt
15.04.1904 Haidzaun an der Schloßstrasse durch Maschendrahtzaun ersetzt
Nov. 1904 Hofgärtner Habekost wird Garteninspektor
1906 Führende Mitglieder der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft besuchen den Palaisgarten
03/04 1908 Errichtung einer Eisenkonstruktion für eine Laube nebst Pflanzung von Schlinggewächsen südlich des Teiches an der Schloßstrasse
Um 1909 Kleiner Stall am Palais mit 10 verschiedenen Schillingpflanzen begrünt
Um 1909 Die beiden abgängigen Bäume am Tor der Schloßstrasse durch zwei große Linden ersetzt
1909 Drahtbespannung des Plaisgebäudes zwecks Anpflanzung von Efeu
1910 Hinweis auf die notwendige Pflege der Brücken
01.04.1914 Garteninspektor Habekost wird Hof-Garteninspektor
16.03.1919 Hof-Garteninspektor Habekost gestorben
1931 Erbgroßherzog Friedrich August verstirbt
Nach 1945 Zeitweilige Einquartierung von kanadischen Soldaten in Schloß und Palais, dann Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten, dazu gehörte die Belegschaft eines Waisenhauses aus Pommern; später Vermietungen von Palais und Bedientenhäusern
1971 pachtete die Gemeinde Rastede vom herzoglichen Haus Oldenburg das Palais
1974 folgte die Anpachtung von zunächst 100 ha des Schloßparks und schließlich
1981 einen größeren Teil des Palaisgartens, um darin ein Hallenbad zu bauen
1982 Beginn von sog. Rekonstruktionsarbeiten des Palaisgartens
1984 folgte die Anpachtung des gesamten Palaisgartens und der sog. 1. Bauabschnitt der Palaissanierung
1985 2. Bauabschnitt der Palaissanierung
1987 Nutzung des Palaisgebäudes für Kunstausstellungen und weitere kulturelle Veranstaltungen (mit Ausnahme der vermieteten Bedientenhäuser); im Obergeschoss ist das Archiv und die Sammlung des Archäologen und ersten Archivleiters, Dr. Dieter Zoller untergebracht
Seit 1999 hat die Gemeinde Rastede das Palaisensemble dem KKR übertragen; das Gemeindearchiv ist mittlerweile im Nebengebäude untergebracht
Jan. 2018 kauft die Gemeinde vom Haus Oldenburg das gesamte Palaisensemble (Haupt- und Nebengebäude, Remise und kl. Marstall, Bedientenhäuser und den umgebenden Palaisgarten)

Quelle: Olaf Bellstedt, Herzogliches Palais Rastede Rasteder Hefte. Materialien zur Sozialforschung und Bauforschung 3), Rastede 1985, S. 44ff.

Impressionen

Bilder: Wilhelm Meyer, Ralf Kobbe, Rudolf Brinkhaus, Lukas Lehmann